Was ist uns das Pferd heute noch Wert...

 

Muss man ein Pferd wirklich reiten...

 

Kein Tier der Welt wird so geliebt, so geschätzt und doch so gequält...

Ich wende mich heute mit einem Blogpost an euch,

der mich seit einigen Tagen sehr beschäftigt.

Wie einige von euch ja wissen war ich auf der Messe Hund und Pferd in Dortmund eingeladen, und durfte dort sogar mit meinem Kenny auftreten.

 

 

Ein für uns einmaliges und tolles Erlebnis.

Vorweg: Ich habe meinem Kenny versprochen das er das für mich nie wieder machen muss.

Es war eine Erfahrung für uns beide aus der wir viel lernen durften.

Ich habe lange überlegt ob ich meine Gedanken ( die auf der Messe mal wieder in mir hoch gekommen sind ) veröffentlichen soll.

Ich trug auf der Messe ein T-Shirt mit dem Aufdruck:

„Ein gutes Pferd soll man nicht zu viel reiten ! „

 

Ich bin einige Male angesprochen worden, wie ich das denn meinen würde...

Immer wieder stellt sich mir jedoch die Frage, ob man ein Pferd überhaupt reiten sollte?

Ich möchte euch erzählen wie ich dazu stehe und auch warum...

Kein Tier war so wichtig für die Menschheit wie das Pferd.

Auf dem Rücken des Pferdes hat der Mensch die gesamte Welt erobert, Kriege geführt und es war viele Jahrhunderte das einzige Transportmittel. Tausende von Pferden haben im Krieg für ihren Reiter das Leben lassen müssen.

Das Pferd war aber auch Nahrungsmittel und ein Symbol der Macht.

( Letzteres ist es oft genug heute noch! )

Heute gibt es andere Transportmittel und auch als Nahrung hat das Pferd in den meisten Teilen der Welt ausgedient.

Was ist es, das uns heutzutage an dem LEBEWESEN Pferd fasziniert?

 

Für viele ist es ein Freizeitpartner, ein Freund aber eben auch ein Geschäft und vor allem ein Sportgerät.

Viele von euch werden jetzt vielleicht innerlich aufschreien und denken:

NEIN, ein Sportgerät ist es nicht!

Aber ist das wirklich so?

Ich denke dabei nicht nur an den typischen Turnierreiter der es als Sport betitelt, auch an den Freizeitreiter,

der zum Vergnügen auf dem Pferd durch die Wälder reitet.

Warum reiten wir unsere Pferde?

Weil es Spaß macht?

Weil wir das Tier an sich lieben?

Diese Frage sollte sich jeder stellen, ob Turnier oder Freizeitreiter. Jeder der sein Pferd in irgendeiner Art und Weise „nutzt“...

Ich möchte in diesem Beitrag vor allem von meinen Erfahrungen und auch meinen Hintergründen berichten.

Warum reite ICH meine Pferde?

In erster Linie HALTE ich Pferde weil ich sie liebe.

Ich liebe diese großen, starken und sanften Riesen, die einem sehr schnell ihr Herz und auch ihr Vertrauen schenken.

Nicht selbstverständlich für eine halbe Tonne Tier, welches mich auf seinem Rücken duldet.

 

Das Pferd, das wir heute als unser Hauspferd sehen, ist schon lange kein Wildtier mehr und ist um zu überleben auf unsere Hilfe und unsere Gunst angewiesen.

Teilweise sind unsere Pferde, über Generationen hinweg gezüchtet worden um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Der Mensch hat das Tier körperlich und auch geistig geformt um zB. einen guten und starken Partner bei der Feldarbeit zu haben oder ein schnelles, temperamentvolles und wendiges Kriegspferd, welches ihm auf dem Schlachtfeld zur Seite steht.

 

Heute müssen auf dem Rücken der Pferde keine Kriege mehr ausgefochten werden und auch die Arbeit auf dem Ferd ist selten geworden.

 

Das Wesen dieser Pferde, hat sich allerdings nicht so schnell verändert.

Viel der von uns gezüchteten Pferde sind immer noch Arbeitstiere, zu denen wir sie über die Jahrhunderte gemacht haben.

Im heutigen Wohlstand ist das Arbeitstier Pferd also meist überflüssig geworden.

Tja, aber genau diese Tiere haben wir auf unseren heimischen Wiesen und in unseren Ställen stehen.

Keine Wildpferde, die glücklich sind in einer Herde zu leben.

Die meisten von ihnen wollen das tun was ihnen in die Wiege gelegt wurde: Arbeiten!

DAS ist der Grund weshalb ich meine Pferde reite, sie beschäftige und ihnen versuche ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.

Aber alles im Maßen!

Das Pferd ist anatomisch nicht dazu gemacht einen Menschen auf seinem Rücken zu tragen, WENN man es nicht dahin gehend ausbildet und es körperlich fit hält!

Wenn ich mein Pferd schon reite, dann tue ich es hauptsächlich um es körperlich und geistig GESUND zu erhalten und nicht nur weil es mir Spaß macht...

Natürlich möchte ich nicht leugnen, das ich keine Freude empfinden würde, wenn ich mit meinem Pferd im Sommer über die Wiesen galoppiere oder auf dem Reitplatz in einer Dressureinheit immer mehr als Team mit ihm zusammen wachse, aber doch bitte alles unter dem Gesichtspunkt das mein Pferd an erster Stelle steht! 

Es soll ihm gut gehen, wenn es mich schon tragen muss.

 

Im Pferdesport sieht man immer wieder unschöne Bilder von gequälten Tieren, blutigen Mäulern und offenen Flanken...

Diese Bilder sehen wir, weil der große Pferdesport in der Öffentlichkeit steht...

Die Bilder die wir nicht so häufig sehen, sind die Bilder von vielen Freizeitpferden, dessen Besitzer auf ihnen „rumjuckeln“ aus Spaß aber auch aus „Liebe“ zum Tier!?

Pferde mit kaputt geritten Rücken und Gelenken sind auch im Freizeitbereich keine Seltenheit!

Viele der Freizeitreiter halten sich für die „Pferdegerechteren“ für die „mitdenkenden“!

Die, die alles zum Wohle ihres Pferdes tun.

Viele dieser Freizeitreiter sind allerdings eher unwissend und schaden ihrem Tier ebenso wie der ZU ambitionierte Sportreiter der Ruhm auf dem Rücken des Pferdes erreiten möchte.

Alles Vorurteile meint ihr?

Mag sein... ich möchte aber nur dazu anregen und aufmerksam machen das JEDER Reiter der sich auf sein Pferd setzt (egal ob Freizeitreiter oder Turnierreiter ) oder in irgendeiner Form mit ihm arbeitet die PFLICHT hat sich und das Pferd so auszubilden, dass das Tier keinen Schaden davon trägt!

Weder beim täglichen Umgang, im Training, noch in einer fehlerhaften Haltungsform!

Pferd und Reiter brauchen eine gute Grundausbildung um harmonieren zu können.

Vieleicht sollten viele das Geld für eine neue stylische Schabracke lieber in ein gutes Buch, oder in guten Unterricht investieren.

Auf der Messe habe ich folgene Aussage gehört: " Dein Pferd lebt bei dir 365 Tage im Jahr ein erfülltes und glückliches Pferdeleben! Da kann es sich, wenige Tage im Jahr, auf einem Turnier und oder auf einer Messe auch mal stressen und anstrengen! "

Ist das so?

Ist dieses große Lebewesen mir irgend etwas schuldig? Bin ich nicht die Jenige die dankbar sein müsste, das mir dieses Lebewesen so viel Freude bereitet... Tag für Tag... ?

Ich reite und arbeite meine Pferde um sie körperlich und geistig gesund zu erhalten und ihnen ein langes, glückliches Leben zu ermöglichen... an meiner Seite als mein Freund und mein Partner.

Für mich ist die eigene Fortbildung genauso wichtig wie die des Pferdes.

Als Pferdemensch lernt man NIE aus.

Ich lerne nicht nur für mich, sondern auch für das Wohlergehen meines Pferdes ... und für mein Leben.

Reiten tue ich meine Pferd tatsächlich eher selten.

Ich gymnastiziere sie viel vom Boden und bringe ihnen Kunststücke bei, damit sie im Kopf fit bleiben.

Das macht mich genauso glücklich wie meine Pferde, sie zeigen es mir jeden Tag wenn sie mir auf der Weide freudig wiehernd entgegen kommen und Lust haben etwas zu erlernen oder einfach Zeit mit mir zu verbringen.

Tatsächlich habe ich auf der Messe in Dortmund, neben sehr guten Pferdemenschen mit viel Verstand, auch einige Menschen gesehen, denen das Bedürfnis nach Anerkennung, nach Applaus wichtiger war als das Wohl ihrer „geliebten“ Pferde.

Sehr traurig, wie ich finde...

Sollte man das Tier nicht schätzen und ehren?

Immerhin wären wie Menschen heute ohne Pferde nicht so fortschrittlich, hätten nicht die gesamte Erde auf seinem Rücken erobert oder Kriege auf ihm gewonnen...

Wir haben dieser Art von Tier so viel zu verdanken, nicht nur das es uns zu unserer heutigen Größe geführt hat... nein, das Pferd schenkt uns trotz das es über Jahrhunderte benutzt und gequält wurde immer noch sein Vertrauen.

Ich glaube, das viel Pferdemenschen es sehr oft vergessen das es eben NICHT selbstverständlich ist das uns so ein großes kraftvolles Tier auf seinem Rücken duldet und uns damit soviel Freude macht...

 

#nachdenklich... Eure  Jenny

 

 

 

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Kommentare: 32
  • #1

    Selina (Mittwoch, 25 Oktober 2017 18:48)

    Hii Jenny❤️
    Super Blogpost erstmal!
    Ich finde deine Gedanken super und bin auch deiner Meinung. Ein Pferd soll man schätzen und ehren!
    Als ich dein Text gelesen habe, bin ich auch sehr nachdenklich geworden… Behandle ich meine Pferde gut und artgerecht? Wie fühlt sich mein Pferd überhaupt wenn ich es so viel reite?
    Ich werde jetzt darüber nachdenken und das ein oder andere auch endern im Umgang mit meinen Schätzen! Aufjeden fall nehme ich mir vor ab jetzt mehr Bodenarbeit zu machen!
    Danke Jenny das du mich zum nachdenken angeregt hast! #nachdenklich
    Deine Selina❤️

  • #2

    Jenny (Mittwoch, 25 Oktober 2017 18:58)

    Liebe Seline,
    Vielen Dank für deinen tollen Kommentar.
    Ich freue mich sehr wenn ich mit meinen Blogbeiträgen Menschen zum nachdenken anregen kann und finde es großartig das du über das was du tust nachdenkst. Damit sollte niemand von uns je aufhören. Nur wer selbstkritisch ist kann sich weiter entwickeln!
    ���

  • #3

    Selina (Mittwoch, 25 Oktober 2017 19:25)

    Danke für deine liebe Antwort!❤️ Du bist echt toll mach einfach so weiter und bleib wie du bist!�

  • #4

    Fabia (Mittwoch, 25 Oktober 2017 19:26)

    Liebe Jenny
    Dies ist ein Thema wo ich auch selber schon öfters drüber nachgedacht habe. Ich mache mit meinen Pferden sehr viel bodenarbeit. Ich Versuche immer herauszufinden ob es meinen Pferden Spass macht...wenn ich merke das dies nicht der Fall ist..höre ich auf mit der Übung und beginne etwas neues��

    Ich fi finde es übrigens mega cool wie du mit deinen Pferden umgehst... Dein Pferde stehen bei dir echt gut und deine Arbeit mit ihm ist in meinen Augen ziemlich artgerecht!! Außerdem habe ich echt einen großen Respekt vor dir wie du das alles trotz deiner Sehbeeinträchtigung schaffst!! Ich liebe deinen YouTube-Kanal, deine Videos sind immer sehr informativ und hilfreich danke dafür! Außerdem wünsche ich dir gute Besserung hoffentlich bekommst du die Grippe schnell in Griff!!��

    Liebe Grüße Fabia ���

  • #5

    Fiona (Mittwoch, 25 Oktober 2017 19:41)

    Ich hatte ja vorher schon so eine ähnliche Meinung, wie du... Trotzdem hast du mich zum Nachdenken gebracht. Leider habe ich nur eine Reitbeteiligung und darf noch nicht ohne sperrriemen reiten und was ich halt sonst noch unangemessen fürs Pferd finde. Ich Versuche aber, es Meiner Reitbeteiligung trotzdem so angenehm, wie möglich zu machen, damit er auch Spaß daran hat.
    Ich hab mich halt trotzdem noch gefragt, hätte ich es bisher noch besser machen können?

    Und ich weiß jetzt gar nicht, ob dieser Text überhaupt Sinn gemacht hat....
    Na ja egal!
    LG Fiona

  • #6

    Mia (Mittwoch, 25 Oktober 2017 19:56)

    Hallo Jenny dein Blogpost war sehr Hilfreich .Ich werde auch mal darüber nachdenken was du geschriben hast.Ich find schade das manche reiter ihr Pferd Qüalen oder das sie es als Sportgäret betrachte .Ich hoffe das es dir bald wieder besser get!�.Lg Mia

  • #7

    Lynn (Mittwoch, 25 Oktober 2017 20:12)

    Liebe Jenny
    Ich bin noch sehr jung und träume oft von später. Ich wollte immer Bäuerin werden mit Pferden und lauter Tieren.
    Immer wenn ich Zeit habe zeichne ich meinen späteren Hof und beachte dabei immer das die Pferde zusammen in einem Offenstall mit einer sehr großen Weide stehen. Als ich dich in YouTube gefunden habe war ich begeistert das ich jemand gefunden habe der seine Pferde sooo liebt und viel Bodenarbeit macht. Aber als ich diesen Beitrag gelesen hatte war ich ganz traurig als ich nachgedacht habe. Ich finde es toll das du so denkst trotz das du selber so viel Probleme mit deinen Augen hast ! Danke und mach weiter ! ��

  • #8

    Lina (Mittwoch, 25 Oktober 2017 21:01)

    Sehr toller und ehrlicher Beitrag wie ich finde.

    Ich bin einer dieser Menschen die sich jahrelang ein Pferd wünschen aber sich genau solche Fragen stellen: Kann ich alles für das Pferd tun damit es ihm gut geht? Kann ich lernen es gesund zu halten und reiten? Merke ich wenn etwas nicht stimmt? Habe ich die richtigen Ansprüche, genug Zeit und die finanziellen Mittel um all das zu erfüllen?
    Es ist eine große Verantwortung die man hat und der man sich bewusst sein sollte.
    Danke für deine ehrlichen Worte

  • #9

    Angelina (Mittwoch, 25 Oktober 2017 22:26)

    Mich hat dieser Text sehr berührt ich kenne sehr viele die ein Pferd als Sportgerät sehen dann frage ich sie warum das stimmt nicht sagen Sie ein Pferd ist dafür da die haben in ihrem Leben noch keine bodenarbeit gemacht das mache ich dann und zum Glück reiten sie das Pferd nur 1x die Woche ich sehe das ganz anders für mich ist ein Pferd ein Lebewesen wie ich auch es ist ein toller Kumpel und kein Sportgerät LG Angelina

  • #10

    Clara (Mittwoch, 25 Oktober 2017 22:56)

    Wow danke für diesen Gedankenanstoß❤️ Grade als Veganerin bin ich nicht zum ersten Mal an dem Punkt an dem ich mich frage ob es richtig ist Pferde zu reiten und ob es nicht ehr "ausnutzen" ist… mal sehen wie ich und meine Einstellung sich so entwickeln..

  • #11

    Tanja (Donnerstag, 26 Oktober 2017 11:33)

    Toller Post, danke dafür! Ich reite mein Pferd gar nicht, genau aus dem Grunde wie du ihn beschreibst.
    Er steht in einem tollen Offenstall mit vielen Pferdefreunden und gearbeitet wird nur vom Boden aus und ich vermisse das reiten in keinster Weise. Wir sind ein tolles Team und alles ist richtig so wie es ist.

  • #12

    Saskia (Donnerstag, 26 Oktober 2017 15:21)

    Hallo , das hast du unglaublich geschrieben.

    Du hast recht, jedes Tier nicht nur das Pferd schenkt uns vertrauen und dies sollten wir wirklich mit Anmut entgegen nehmen und den Tieren das zurück geben was sie wirklich verdienen, ein Stückchen Freiheit.

    Liebe grüße

    Saskia

  • #13

    ChilliCheyenne (Freitag, 27 Oktober 2017 14:43)

    In diesem Dilemma stecke ich auch gerade. Habe meine Tinkerstute Mai 2016 von einem Händler gekauft mit dem Hinweis schwieriges Pferd. Wie viele Tinker kam sie über England, Belgien nach Deutschland. Geburtsjahr 2013 mehr konnte keiner über sie sagen. Eines stand aber fest. Sie ließ keinen Menschen an sich ran und kannte rein gar nichts. Langsam mit viel Geduld lieben ruhigen Worten, alle Zeit der Welt und natürlich viel Liebe und Verständnis. Schenkte sie mir und langsam auch bekannten Menschen wieder Vertrauen. Mittlerweile ist sie seit 2 Monaten eingeritten und hat eben durch ihr Vertrauen mit viel Eifer und Fleiß mitgearbeitet. Ich war immer mit dabei wenn ihre Trainerin kam, habe sie nicht fortgegeben. Mittlerweile stelle ich aber fest das wenn sie bereitwillig gibt und leistet immer noch mehr eingefordert wird. Ich habe beobachtet das sie an ihre Grenzen stoßt und es beginnt das ihr das Training zu viel abverlangt. Leider stoße ich bei meiner Trainerin auf unverständnis, es wird gegenargumentiert und als übertrieben empfunden wenn man anspricht was man fühlt und auch beobachtet. Ich habe sie nun aus dem Training erstmal raus genommen und mache 1 Woche Pause. Ich war gestern zum Ersten Mal wieder mit ihr lange im Wald spazieren und sie hat mir gezeigt wie dankbar sie dafür war und auch glücklich. Mir ist mein Verhältnis zu ihr wichtiger als die vorgaben eines Trainers. Leider ist es sehr schwer jemanden zu finden der auch mal auf den Eigentümer hört. Es zählt immer nur der Erfolg. Ich kenne sie am Besten eben durch diese schwere Zeit mit ihr und das lasse ich mir durch nichts kaputt machen. Wie es weitergeht weiß ich noch nicht da ich sie leider reiterlich nicht alleine weiter ausbilden kann.

  • #14

    Lea (Freitag, 27 Oktober 2017 20:30)

    Ein mutiger Blogpost, der bestimmt auch vielen ins Gewissen redet.. Tatsächlich denke ich in letzter Zeit immer wenn ich auf dem Pferd sitze darüber nach wie es das Pferd überhaupt empfindet.. Wird es nicht trotz einem guten Sitz beim laufen irgendwie gestört? Nach wieviel Zeit tut ihm generell der Rücken vielleicht etwas weh? Wenn wir einen (nicht unbedingt schweren) Rucksack tragen ist dies auch schon nach 30 min unangenehm. Ich finde jeder Pferdemensch sollte sich die Frage stellen ob er das Pferd auch noch hätte oder Kontakt zu dem Pferd hat, wenn man es nicht mehr reiten könnte. Wenn man diese Frage mit Nein beantwortet, dann ist eigentlich schon klar, dass derjenige nur Kontakt zu Pferden haben möchte um sie zu reiten und den eigenen Spaß zu erfüllen. Es wäre sehr interessant wenn es Forschungen oder Studien dazu geben würde, wie das Pferd überhaupt das reiten findet und in welchem Maße (gymnastizierendes) Reiten die physische Gesundheit unterstützen kann oder inwiefern oder ab wann das reiten schädlich ist...
    Ich finde es auf jeden fall einleuchtend, dass wir viele Tiere für unseren Spaß oder Zweck "erzüchtet" haben und wir sie jetzt nicht einfach wieder Auswildern können, nur weil uns auffällt, dass das was wir gemacht haben doch sehr egoistisch ist und nicht im Sinne eines Lebewesens. Unsere Hunde sind ja auch schon lange keine Wölfe mehr. So weit ist es nun schon gekommen und jetzt sind wir sozusagen dazu gezwungen auch so weiter zu machen. Habe mich auch schon öfter gefragt was genau mit uns Hunde/ Pferde/ Katzen Menschen nicht stimmt, dass wir solche Tiere halten und Zeit mit ihnen verbringen wollen? Wollen wir irgendwas/ irgendwen beherrschen? Reichen uns unsere menschlichen Beziehungen nicht aus? Mutterkomplex? und und und.. schwierig sich so selbstzureflektieren und wirklich ehrlich zu sein.
    Ich jedenfalls bin immer unheimlich glücklich wenn mein Hund in irgendwelchen Wäldern oder über Felder ohne Leine fern von Straßen herumtollen kann, laufen und schnüffeln wie er es mag, vielleicht auch mal kurz irgendetwas hinterherjagd, mit anderen Hunden spielt und einfach das tut was er möchte und was er auch tun würde, wenn er nicht mein Haustier wäre.
    Ich finde gar kein Ende :D Es ist ein endlos Thema. Man kann nur versuchen es dem Tier so schön wie möglich zu machen.

  • #15

    Der Hund (Freitag, 27 Oktober 2017 20:54)

    Liebe Jenny,
    erst gestern habe ich über das Thema nachgedacht und gesprochen. Meine Schwester (10) möchte gerne eine Reitbeteiligung. Da wir aber (finde ich) ziemlich schlechten Reitunterricht haben und nur alle zwei Wochen reiten habe ich ihr meine Meinung zu dem Thema gesagt, nämlich, dass es noch zu früh dafür ist. (Wir dürfen die Pferde z.B. nicht selber satteln/trensen, da "das zu lang dauert").
    Dann habe ich ihr eine Pflegebeteiligungen vorgeschlagen und ihre Antwort war nur:
    "Ich will aber reiten, Bodenarbeit, Spazieren gehen, anti-Schreck-Training etc. interessieren mich nicht!"
    Das fand ich sehr schade, da ich genau das auch mal machen will, nicht nur ein Schulpferd aus seiner Box hingestellt bekommen und reiten...

    Ich finde deinen Eintrag richtig toll und werde ihn ihr vielleicht morgen mal vorlesen.
    Schönes Wochenende euch allen!

  • #16

    Marie (Freitag, 27 Oktober 2017 21:47)

    Hi Jenny,
    Ich finde es gut dass du hier auf deinem Blog nicht nur über den Spaß beim reiten, sondern auch über den "Spaß" beim geritten werden sprichst... dein Text hat auch mich sehr nachdenklich gemacht...
    Wie fühlt sich das Pferd wenn ich es reite?
    Hat es genauso viel Spaß dabei wie ich? Was geht im Kopf dieser wunderschönen Wesen vor? Würden sie jetzt nicht lieber einfach frei über eine riesige Wiese mit grünem Gras galoppieren? Danke für diesen Text... Mach weiter so�

    #nachdenklich

    Deine Marie

  • #17

    Natalie♡♥ (Freitag, 27 Oktober 2017 22:17)

    Hey Jenny , der Beitrag ist meiner Meinung nach wirklich schön ;) das ist echt wahr und wenn man so etwas liest denkt man ( ich ) erstmal darüber nach ... ich finde deine Meinung dazu echt schön , man sollte den Reitsport / die Pferde mal aus verschiedenen Perspektiven ansehen und sich dann Gedanken darüber machen , wie man selbst vorgeht in diesem Bezug :)
    wirklich schöner Blogbeitrag - alles liebe
    Natalie♡♥

  • #18

    Mima (Freitag, 27 Oktober 2017 23:35)

    Wunderschöner Beitrag, der echt zum Denken anregt.
    Ein Thema, mit dem ich mich selbst oft beschäftige. Ich bin Freizeitreiter und habe zwei Pferde, eines davon zu klein um überhaupt geritten zu werden. Als ich mir das zweite Pferd angeschafft habe, und gefragt wurde, was mit dem Kleinen jetzt passiert, da er ja sowieso nicht reitbar sei, wurde mir ganz anders. Schade, wie viele Menschen noch immer das Reiten in den Fokus stellen, und die innige Partnerschaft, die Liebe und die Loyalität, die das Tier einem schenkt, dabei komplett übersehen. Keine Frage, mein Kleiner hat einen festen Platz an meiner Seite und ich gebe mein Bestes, um ihn auf gesunde Art zu fördern - völlig ohne ihn zu reiten, das geht.
    Dein Beitrag macht mir die Verantwortung, die ich den beiden gegenüber habe, nochmal sehr bewusst und ich werde mich noch mehr bemühen, auch mich selbst zu fördern, um ihnen gerecht zu werden.

    Uns auf dem Rücken zu tragen ist und bleibt ein großartiges Geschenk, das sollten wir Pferdemenschen niemals vergessen.

    Danke, dass du deine Gedanken geteilt hast.

  • #19

    Natascha (Freitag, 27 Oktober 2017 23:35)

    Hi Jenny!
    Auch ich möchte mich anschließen.
    Danke für deinen tollen Blogeintrag. Auch mir geht die Frage wenn ich meine Freundinnen mit ihren Pferden sehe durch den Kopf.
    Muss es denn immer reiten sein??

    Ich versuche so wie du meinem Pferd Abwechslung zu bieten sowohl Kopf als auch körperlich.

    Seitdem ich 2012 in den jetzigen Stall umgezogen bin hab ich auch von der Freundin andere Gedankenwege bekommen und bin dankbar dafür.
    Denn sie hat zu mir gesagt als wir mal eine longeneinheit gemacht haben und mein Schatz richtig toll war "willst du dich nicht bedanken bei ihm?"
    Hm im ersten Moment schien mir das komisch hab aber nicht lange nachgedacht und ja klar "muss" und ich sage direkt muss ich mich bei ihm bedanken denn er hat es zum Gefallen von mir getan er hat mir seine Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt. Und an diesem Zeitpunkt sah ich das zusammen sein mit ihm ganz anderst, dankbar anderst.
    Und seit ich dich vor einem Jahr noch gefunden habe nochmal anderst denn die Art wir du mit deinen Schützlingen umgehst ist Herz erweichend.
    Da guckt man sich gerne etwas ab und lernt ständig dazu.

    Deswegen vielen Dank Bleib so wie du bist. ❤️

  • #20

    Kristin (Sonntag, 29 Oktober 2017 14:07)

    "Es gibt so viele Menschen mit Pferden, aber trotzdem so wenige Pferdemenschen."
    Letztens beim Schreiben von Bewerbungen ist es mir wiedermal bewusst geworden, als ich mein Hobby in den Lebenslauf schreiben wollte: in der "Fachsprache" müsste ich dort "Reiten", oder "Pferde/ Reitsport" eintragen, doch in meinem Herzen nennt sich dieses Hobby, diese Lebenseinstellung, "den Umgang mit Pferden genießen". Mit meiner Rb mache ich deutlich mehr vom Boden, als dass ich tatsächlich Reite. Bodenarbeit, Spaziergänge, durch den Wald joggen, wir beide lieben es :) dank der École de Légèreté, nach deren Ansätzen er ausgebildet wird, habe ich auch wieder deutlich mehr Freude am Reiten, da es auf die Gesunderhaltung von Körper und Geist abzielt und somit mein Verständnis vom Reiten verkörpert. Nicht, dass andere Reitweisen dies offiziell nicht zum Ziel hätten, aber dabei wird es in der Realität eindeutig mehr gelebt! Es fühlt sich mehr an, wie eine Kommunikation mit dem Pferd, als eine Möglichkeit das Pferd zu einem Paket zusammen zu schnüren, damit es scheinbar korrekt läuft. Ich bin sehr zufrieden mit dem momentanen Mix aus "vom Boden arbeiten" und "Reiten" (ca 80%, zu 20%), ich kann das so vollkommen vertreten, auch resultierend aus den Reaktionen des Pferdes :)

  • #21

    AnnMarie (Sonntag, 29 Oktober 2017 21:00)

    Hallo liebe Jenny !
    Ich gebe dir recht in allem was du gesagt hast ! Ich habe ein Pferd mit einer Huffesselkrankheit und kann nur sehr selten ein bisschen reiten , was mir jedoch egal ist !
    Ich mache Spaziergänge durch den Wald viel bodenarbeit und bringe meinem Pferd viele tolle Tricks bei .
    Ich liebe und schätze es egal ob mit oder ohne Krankheit !
    Hätte ich mein Pferd nicht in der letzten Sekunde gekauft wäre es zum Schlachter gekommen , obwohl es erst 12 Jahre alt und top fit ist !
    Ich schätze sehr was du geschrieben hast und gebe dir in allem recht !
    LG AnnMarie

  • #22

    Lenalein (Montag, 30 Oktober 2017 15:43)

    Also ich finde da ist natürlich viel wahres dran. Ich reite schon lange ein pferd was groß und sehr kräftig ist mittlerweile ist er schon 25 aber er sieht aus wie 8. Das denkt auch jeder wenn man ihn sieht. Ich reite ihn 2 mal in der Woche. Ich merke auch nach dem reiten das er glücklich ist. Wenn ich ihn jetzt nicht mehr viel reiten würde, würde er ja auch körperlich abbauen. Bodenarbeit mag er garnicht. Er hat auch viel Spaß im Gelände. Ivh denke nicht das man diesen Text auf jedes Pferd übertragen könnte. Viele Sportpferde sind es gewohnt so viel geritten und gefordert zu werden.
    Ich denke es gibt viele gemischte Meinungen zu diesem Thema aber ich bin eher der Meinung das es wirklich auf das Pferd ankommt. Meine Stute ist ein regelrechter Brain was bodenarbeit angeht. Die beiden sind wohl von Grund auf verschieden. Manche Pferde kennen es auch nicht anders meine Stute reite ich nicht so oft. Aber mein Wallach ist es gewohnt 2 mal in der Woche geritten zu werden was ihm nicht schadet. Jedoch ist viel wahres in dem Text. Aber ich denke das sollte auch jeder selbst entscheiden

  • #23

    Eva (Dienstag, 31 Oktober 2017 14:15)

    Hallo Jenny also ich sehe das genauso wie du. Mir ist das so richtig bewusst geworden das es nicht selbstverständlich ist ein Pferd reiten zu können als ich mich um eins gekünmt habe was es nicht so toll fand wenn man es geritten ist. Dann habe ich mit die Frage gestellt ob ich mit ihm weitertraniere, wo ich vielleicht auch irgendwann weitergekommen wäre, oder ich es einfach so lasse. Muss man von jeden Pferd alles verlangen? Ich finde nicht. Jetzt mache ich mit dem Pony viele Spaziergänge und Bodenarbeit und damit sind wir beide glücklich
    Liebe Grüße Eva

  • #24

    Equus Domesticus (Sonntag, 05 November 2017 22:15)

    Das ist eine sehr elementare Frage, die du da stellst. Ich bin ein paar Jahre nicht geritten und reite jetzt erst weniger lange wieder als die Pause lang war. Diese Frage habe ich mir als ich wieder angefangen habe ebenfalls gestellt und frage es mich immer wieder. Das war vorher in den 25 Reiterjahren nicht so, erst mit dem "Alter" stellt man Gegebenheiten mehr in Frage. Ich habe nun einen Dressurreiter kennengelernt, der in seinem Seminar genau auf diese Frage auch eingegangen ist, was mich sehr überraschte, denn es ging nicht um das Üben von Dressurlektionen, sondern viel um die Reflektion über das Dressurreiten. Er meinte, wenn ein Tier zum Reiten geeignet ist, dann ist es das Pferd und mit einem korrekten Training, kann das ohne Schäden über Jahrzehnte passieren. Die Schwierigkeit liegt nur darin, das korrekte Reiten zu lernen und jemanden zu finden, der einem das beibringen kann.

  • #25

    Pferdeliebe (Dienstag, 21 November 2017 17:47)

    Hi Jenny!
    Du hast Recht: Pferde sind sehr vertrauensvolle Tiere. Ich selbst habe durch Pferde mein Selbstvertrauen wieder gefunden. Sie sind einfach für uns Menschen Freunde, Liebende und noch so viel mehr.
    Ich muss noch mal sagen: dein Blockpost war genial.
    Mach weiter so!

  • #26

    #pferdesindmeinlebrn (Mittwoch, 10 Januar 2018 17:12)

    Super Eintrag!Echt!Hat mir sehr gefallen

  • #27

    NewForestPonyLove (Donnerstag, 25 Januar 2018 10:25)

    So ein schöner Text. Ich bin Genau deiner Meinung. Ich habe mich vor 5 Jahren dazu entschieden nach der Schule der Légèreté zu reiten und was soll ich sagen, mein pony und ich sind beide aufgeblüht und gewachsen. Reiten oder allgemein der Umgang mit Pferden ist auch immer so viel Arbeit an sich selbst und das ist toll. Leider lassen sich die wenigsten darauf ein.. Ixh finde man kann nichts verallgemeinern und denke das es bei jeder Sparte der Reiterei gute und pro pferd denkende Reiter gibt und ebenso auch nicht so gute.

  • #28

    Claudia (Freitag, 04 Mai 2018 22:50)

    Der Eintrag ist zwar schon älter, aber zeitlos. Ich bin sehr froh auf den Blog gestoßen zu sein, denn ich denke über das Reiten genauso. Ich habe vor einigen Jahren aufgehört zu reiten und dass, obwohl ich seit meiner Kindheit so gut wie täglich (mit viel Spaß) auf dem Pferd, bzw Pony saß. Die Bodenarbeit hat einfach immer mehr Raum eingenommen. Seit mein alter Wallach (in Reitpferdegröße) gegangen ist und ich "nur" noch Shettys habe, wird mir immer mehr bewusst, wie sehr man damit in der Reiterwelt anstößt. Es wird einfach oft nicht verstanden und sehr abgewertet. Trotzdem finde ich, dass sich in den letzten Jahren sehr viel pro Pferd und gerade der Bereich Bodenarbeit entwickelt hat. Es gibt immer mehr Menschen, die über den Tellerrand schauen und natürlich auch gute Vorbilder ;-)

  • #29

    Marie (Donnerstag, 01 November 2018 21:39)

    Ich bin froh das ich auf deinen Artikel gestoßen bin,da ich mir diese Frage tatsächlich schon oft gestellt habe.Vor allem seit 18 Monaten, da ich da mein Pflegepferd kennen gelernt habe. Er ist vor 10 Jahren noch Rennen gelaufen und alls ich angefangen habe mit ihm zu arbeiten war seine Muskulatur kaum vorhanden und ich bin ihn selbstverständlich nicht geritten. Mittlerweile sieht er wieder richtig gut aus und wir sind ein super Team. Ich fange wieder an mit ihm auszureiten und ich merke das es ihm richtig gut tut. Ich finde Pferde sollten definitiv nicht geritten werden wenn es nur dem Reiter etwas bringt (wie z.b. Spaß oder Erfolg), jedoch kann reiten nicht nur dem Menschen gefallen, wenn man es nicht übertreibt und das Pferd zu nichts zwingt. Ich finde du hast ein Thema angesprochen ,das wie ich finde viel zu selten angesprochen wird. Danke!❤️

  • #30

    Anna Lena (Mittwoch, 12 Juni 2019 17:53)

    Liebe Jenny
    Dein Text war für mich sehr nachdenklich bin 7 jahre alt und ich glaube nicht das ein Pferd glücklich ist mit jemand Fremden wie ich zu reiten
    Lg deine Anna Lena❤️❤️❤️

  • #31

    Magdalena (Mittwoch, 12 Juni 2019 17:56)

    Hallo Jenny,
    Ich heiße Magdalena 8 Jahre aus Hamburg.Sehr toller und ehrlicher Beitrag wie ich finde.

    Ich bin einer dieser Menschen die sich jahrelang ein Pferd wünschen aber sich genau solche Fragen stellen: Kann ich alles für das Pferd tun damit es ihm gut geht? Kann ich lernen es gesund zu halten und reiten? Merke ich wenn etwas nicht stimmt? Habe ich die richtigen Ansprüche, genug Zeit und die finanziellen Mittel um all das zu erfüllen?
    Es ist eine große Verantwortung die man hat und der man sich bewusst sein sollte.
    Danke für deine ehrlichen Worte.

  • #32

    Cavallerija (Donnerstag, 07 November 2019 23:31)

    Guter Text, denke ähnlich oft darüber nach und habe auf der Messe in Hannover vor Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht und muss das meinem Pferd auch nicht mehr zumuten. Vor allem weil man wirklich ans zweifeln kommt bei so vielen unterschiedlichen "Reitweisen" die auf der Messe ja alle trotzdem oft der Selbstdarstellung des Reiters dienen. Leider ist das Pferd oft der Leidtragende im wahrsten Sinne des Wortes ;-)
    Daher ist es wichtig dass du auch diese Themen ansprichst damit mehr Reiter drüber nachdenken... Danke liebe Jenny!!!